Sonntag, 13. Januar 2008

Kapitel 23

Wenn Leo und Silina gewusst hätten, dass Hilfe unterwegs war, hätten sie sich wohl etwas wohler gefühlt. Im Moment schwankten ihre Stimmungen zwischen, Angst, Verzweiflung, Panik, Trauer und Ekel vor diesem schrecklichen Biest. Aneinander gepresst, kauerten sie sich im hintersten Winkel ihres kleinen Unterstandes, den sie am letzten Abend auf die schnelle gezimmert hatten, zusammen. Der Flom trippelte auf seinen dünnen Beinchen langsam zu den Mädchen und freute sich auf ein frisches Frühstück. Es war schon lange her, dass er eine so leckere Beute aufgetrieben hatte und deshalb hatte er nicht vor, lange den Hampelmann zu machen und mit seinem Essen zu spielen. Zwei gezielte Hiebe mit seinen scharfen Klauen in Kehlenhöhe und schon konnte er sich an dem schmackhaften Mahl gütlich tun. Provokativ fuchtelte er mit seinen Messerscharfen Klauen vor Leo und Silina rum und gab röchelnde und schmatzende Geräusche von sich. Noch drei Schritte trennten ihn von seiner Beute, die sich noch immer zitternd in einer Ecke niederkauerten.

Noch zwei Schritte fehlten dem Flom zu seinem Glück.

Leo schloss unterdessen mit ihrem Leben ab. Sie fand es sehr schade, dass es so enden musste, denn irgendwie stellte sie sich ihren Tod schon etwas unspektakulärer vor. Vor allem in einem etwas höheren Alter. Und auch etwas weniger blutrünstig. Am liebsten als alte weise Hexe in ihrem Bett durch einen altersbedingten Herzstillstand. Einfach ein ruhiger Spaziergang vom Leben in das Hexenparadies.
Silina dagegen wollte noch nicht aufgeben. Doch sie fand es auch vergebliche Mühe einen Kampf mit dem Flom vom Zaun zu brechen. Sie besann sich stattdessen auf alle ihr bekannten Götter und murmelte verzweifelt jegliche Gebete die ihr in ihrem kurzen Leben zu Ohren gekommen waren. Es waren nicht viele…

Noch ein Schritt und die Todesklaue würde sein Werk vollbringen.

„Hallo, hat hier jemand einen Helden bestellt?“ eine grosse Gestalt tauchte hinter dem Flom auf. Für einen kurzen Moment stand die ganze Szenerie still, sogar der Flom vergass mit seinem rotierenden Rüssel zu rotieren… Dies war der geeignete Zeitpunkt für den Fremdling um sich der Bestie anzunehmen.
„Nimm das Schurke.“ mit diesen Worten schwang der Retter sein langes Schwert und hieb dem verdutzten Flom den grässlichen Kopf ab. Dieser rollte ausgerechnet in die Ecke in der Leo und Silina hockten. Kreischend und wild um sich schlagend stürzten sie sich weg vom abgetrennten Haupt und rannten aus dem Schuppen raus auf die Waldlichtung. Nach mehreren Metern blieben sie schnaufend stehen und drehten sich langsam um.

Dort vor der Hütte stand ihr Retter. Er war gerade dabei sein Schwert mit einem Lappen zu reinigen. Nachdem es wieder glänzte, polierte er seine Fingernägel am Revers seines Umhanges und strich sein goldenes von der Morgensonne beschienenes Haar aus der Stirn.
„Meine Damen, darf ich mich ihnen vorstellen? Mein Name ist Prinz Goldenherz und ich habe euch gerade mit grösstem Vergnügen das Leben gerettet.“

Kapitel 22

„Noch etwas Tee, lieber Alwin?“
„Nein, vielen Dank Frau Bohnenklee. Ich denke, es wird langsam Zeit, dass wir uns auf den Weg machen. Toralf, hast du genug gegessen?“
„Argh, ich glaube, ich habe viel zu viel gegessen, mein Bauch platzt gleich!“ mit einem etwas gequälten Gesichtsausdruck rieb sich Toralf seinen gut gefüllten Bauch.
„Dann lass uns aufbrechen, ein Verdauungsspaziergang wird dir gut tun!“ mit diesen Worten erhob sich Alwin vom Esstisch der einem kleinen Schlachtfeld glich und streckte sich genüsslich. Er freute sich wirklich sehr auf das Abenteuer das ihnen bevorstand und wollte endlich los! Toralf der sich etwas langsamer erhob, wollte nichts sehnlicher als einen kurzen Verdauungsschlaf, doch er war sich sicher, dieser Wunsch würde ihm nicht erfüllt werden. Also trottete er hinter seinem Freund her und hoffte, dass sich sein Mageninhalt nicht selbstständig machen würde.
Der Aufbruch fand nun relativ schnell statt, da Frau Bürgermeister bereits alles für die Jungs bereitgestellt hatte. Kleider, Verpflegung und Waffen waren bereits an den Sätteln der Pferde festgezurrt. Die Bewohner von Blumenhain liessen es sich, trotz der teilweise ziemlich schweren Köpfe nicht nehmen, Alwin und Toralf zu verabschieden und ihnen ein gutes Gelingen für ihr Vorhaben - Leo und Silina auf deren Abenteuer beizustehen - zu wünschen.

So ritten Alwin und Toralf gut gelaunt und motiviert Richtung Donnerberg davon.