Dienstag, 4. Dezember 2007

Kapitel 21

Nicht so angeheitert und froh waren Leo und Silina gestimmt. Denn sie weilten nicht mehr alleine. Und die Gesellschaft die sie bekommen hatten war nicht sonderlich nett. Sie war sogar äusserst böse. Und ausserdem ziemlich hässlich. Stinkig. Schlecht gelaunt. Einfach richtig doof. Es handelte sich um einen Flom. Floms lebten schon seit Jahrtausenden auf der Erde. Eine etwas komische Laune der Natur hat sich entschlossen, ein Lebewesen zu erschaffen, dass drei Arme – zwei auf der Seite, einen am Rücken, Storchenbeine, einen Buckel und einen Kopf der jeden das fürchten lernte, zu erschaffen. Dieser hässliche Kopf war das erste, was Leo und Silina sahen, als sie am morgen durch ein komisches, schnaufendes Geräusch aus dem Schlaf gerissen wurden. Statt der leuchtenden Sonne grinste sie der ungemütliche Flom ins Gesicht. Das Grinsen rahmte zwei Reihen kleiner und unheimlich spitzer Zähne ein. Da wo beim Menschen normalerweise die Nase sitzt, hatte dieses Wesen einen kurzen Rüssel der dauernd unkontrolliert in der Gegend rumschnüffelte. Die Augen waren gross, glubschig und gelb. Auf dem Kopf thronten zwei geringelte spitze Hörner. Haare waren vergeblich zu suchen. Da ein solches Antlitz keine gute Laune machen konnte, waren die Floms ausnahmslos böse. Sie konnten niemanden und nichts leiden, nicht mal sich selbst. Deshalb waren Selbstmörder bei dieser Spezies höchst verbreitet. Doch dieses Exemplar, welches Leo und Silina aus ihrem Schlaf gerissen hatte, war zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich am eigenen Tod interessiert, sondern auf jenem der zwei jungen Frauen.

Das Erwachen von Alwin und Toralf war im Gegensatz zu dem von Silina und Leo äußerst angenehm. Die erste Nacht in Blumenheim durften sie im Haus des Bürgermeisters verbringen und wurden von seiner Frau mit einem üppigen Frühstück überrascht. Sie setzte den zwei Burschen frisch gebackenes Brot, Früchte, Omeletten, Speck, Eier und Tee vor.
Sie sollten schliesslich bei Kräften sein, wenn sie später die Reise gen Donnerberg antreten würden.
So kam es, dass Alwin und Toralf gemütlich beim Frühstücken sassen, als Leo und Silina dem Tod in die Augen blickten.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Kapitel 20

In Blumenhain wurde währendessen alles für die Ankunft ihres neuen Dorfzauberers hergerichtet. Denn der Bürgermeister fand es eine nette Abwechslung eine kleine Feier zu organisieren, damit die Bewohner mal wieder etwas Freude empfinden konnten. Da der Wetterfrosch eine Gutwetterfront hervorsagte, wurde der Dorfplatz festlich geschmückt, mit Lampions aus Kuhdärmen, Gestecke aus gedörrten Blumen (frische gab es leider keine mehr) und Merelin wollte für ein kleines Feuerwerk sorgen. Die Frauen waren damit beschäftigt, aus so wenig Nahrungsmitteln wie möglich ein festliches Mal zu zubereiten. Der Bürgermeister feilte an einer Rede und die Kinder studierten mit den Druiden nette Lieder ein. Das Dorf erblühte in fröhlicher Geschäftigkeit und konnte für einige Zeit die dunklen Sorgen vergessen.

Nach zwei Tagen anstrengenden Reitens kamen die zwei Jungs müde aber gespannt in ihrem neuen Zuhause an. Gerührt fanden sie sich nach ihrem Eintreffen in einer jubelnden Menge vor die sie sogleich aus ihren Sätteln holten und sie an einen reichlich gedeckten Tisch setzten. Hungrig stürzten sie sich sofort über die Leckereien und beantworteten mit vollen Mündern die vielen Fragen. Nachdem sich die Menge etwas beruhigt hatte, ergriff der Bürgermeister das Wort: „Liebe Bürger von Blumenhain, lasst uns zusammen unseren neuen Dorfzauberer und seinen Freund, der wie mir zu Ohren kam nun auch bei uns leben wird, willkommen heissen. Es ist mir eine Ehre einen so begabten jungen Mann als unseren neuen magischen Verständigen vorstellen zu dürfen. Ich bin mir sicher, er wird uns bei mancherlei Problemen helfend zur Seite stehen und das Erbe von Merelin würdig antreten. Dir Merelin danke ich im Namen aller für deine Treue während all der Jahre die du als Dorfzauberer mit uns geteilt hast. Für deinen Ruhestand wünschen wir dir viel Ruhe und dass du noch viele Jahre bei uns verbringen wirst. Und nun, ein Hoch auf Merelin, Alwin und Toralf.“
Ganz Blumenhain erhob ihre Becher und prostete den Dreien zu. Die Feier ging noch bis spät in die Nacht weiter und endete mit einem eilenden Aufbruch als das Feuerwerk nicht ganz die Flugbahn erwischte die Merelin eigentlich geplant hatte. Doch da niemand ernstlich verletzt wurde, gingen alle angeheitert und froh schlafen.