Dienstag, 17. Juli 2007

Kapitel 11

Was sie im Inneren der Luche erwartete war mit nichts zu vergleichen. Am ehesten hatte der Raum Ähnlichkeit mit einem hölzernen Leuchtturm. Doch da die zwei noch nie einen Leuchtturm gesehen hatten, nützt ihnen dieser Hinweis nichts.
Der Baum kümmerte sich nicht im geringsten um logische Dimensionen denn die Halle in der Leo und Silina nun standen war um etwa das fünffache grösser als man von aussen erwarten konnte. Um sie herum standen flauschige Sofas, bequeme Sessel, es hatte einen riesigen Holztisch der mindestens zwölf Leuten platz bot und in der Mitte führte eine Wendeltreppe in die drei weiteren Stockwerke. Im ersten befand sich eine grosse Bibliothek mit tausenden von Büchern über Bäume, Vögel, Käfer, Elfen, Farne und so weiter. Silina und Leo kamen aus dem staunen nicht mehr raus. Noch nie hatten sie so viele Bücher auf einem Haufen gesehen.
„Wer liest denn bloss all diese Schunken?“ fragte Leo.
„Ach, wisst ihr, ich bekomme häufig besuch von wandernden Zauberern, hier ansässigen Elfen und Kobolden, manchmal auch von Eichhörnchen und Füchsen. Oh und natürlich von Hexen. Ich selber kann leider nicht lesen und so bitte ich manchmal meine Besucher, mir etwas vorzulesen. Ihr habt nicht etwa Lust mir einbisschen aus dem Buch: Alte Haumittel gegen Blattläuse vorzulesen?“
„Ähm, später vielleicht, ich möchte mich gerne noch etwas umschauen wenn es dir nichts ausmacht.“
„Nein, nein, kein Problem, nehmt euch nur Zeit. Oh, und falls ihr trockene Kleider braucht, die findet ihr einen Stock höher.“
Leo und Silina schauten sich mit leuchtenden Augen an und stürmten die Treppe rauf. Das Wort Kleider löste bei beiden eine nichtzuwiderstehende Gier aus. Und sie wurden nicht enttäuscht! Im zweiten Stock fanden sie drei grosse Schlafzimmer und einen riesigen begehbaren Kleiderschrank mit allen möglichen Kleidern: Röcke, Hosen, Blusen, Hüte, Ballkleider, Leggins für Elfenmänner und Unterröcke.
„Ga... srru... bamm... bluu... .“ Leo versuchte vergeblich ihrer Begeisterung Ausdruck zugeben.
Nachdem sie sich beide einen Haufen Kleider geschnappt hatten waren sie ziemlich ermüdet und sanken auf eines der weichen kuscheligen Betten.
„Weshalb hast du denn so viele Kleider hier?“ brummelte Leo.
„Ach wisst ihr, ich kam irgendwann mal auf die Idee einen Secondhandshop zu eröffnen als immer mehr Leute bei mir Obdach suchten. Es gibt im Übrigen auch Zahnbürsten, Shampoos und Seife. Übrigens, ihr schuldet mit exakt 89 Silbermünzen.“
„Hmpf...“
Nachdem sie alle Kleider wieder an ihrem Ort verstaut hatten, legten sie sich, ohne ihre Zähne zuputzen, in ein Bett und schliefen bald ein.

Sonntag, 15. Juli 2007

Kapitel 10

Nachdem das markerschütternde Donnergrollen verklungen war, setzte sintflutartiger Regen ein. Das Blätterdach welches sie als gemütlichen Unterstand gebaut hatten, hielt gerade mal eine halbe Sekunde stand. Leo und Silina waren nun wirklich sauer!
„Wie um alles in der Welt haben wir das nur verdient?“ brüllte Leo durch den Regen.
Ein schräger und ziemlich deutlicher Blick von Silina erinnerte die Hexe wieder daran, weshalb sie sich auf ihrer unglücklichen Mission befanden. Der Fluch des verpassten Walpurgisnachttanzes führte nicht nur zum Ausfall der Ernte, sondern auch zu ziemlich heftigen Wetterschwankungen.
Da sie mit ihrem Rastplatz nun nicht mehr so glücklich waren, suchten sie einen grossen Baum um sich trotzdem irgendwie vom Regen zu schützen. In der Nähe stand eine beachtliche Luche. Luchen sind ziemlich hoch, ziemlich massiv und zeichnen sich durch ziemlich grosse Blätter aus. Und sie sprechen! „Hallo!“ sagte sie Luche. „Hallo!“ sagten Silina und Leo. „Na, wie geht’s denn so?“
„Na ja, geht so. Ist etwas kalt und nass, und wir sind ziemlich müde, da wir noch nicht viel geschlafen haben.“ Leo war etwas erstaunt über ihre Konversation mit dem Baum, da sie bis jetzt noch nicht wusste, dass Luchen sprechen können.
„Kommt doch rein und macht es euch gemütlich! Doch macht bitte kein Feuer, das mag ich nicht so gerne.“ Die nette Luche bewegte sich etwas und öffnete ihren Stamm einen Spaltbreit.
„Ääähhh... .“ sagte Silina.
„Hmmm... . „ entgegnete Leo.
„Na nur nicht so schüchtern, ich fress euch schon nicht! Har har har.“ Das Lachen des Baumes hörte sich an als würde sich eine Kolonie von Holwürmern nach Wochen des Fastens durch einen Stamm wühlen.
„Sollen wir wirklich da rein gehen? Ich find das irgendwie gruselig...“ Silina versuchte es erst mit flüstern, doch nachdem sie Leo das dritte Mal nicht verstanden hatte, brüllte sie es halt. Der Baum war daraufhin etwas eingeschnappt.
„Wenn wir aber hier draussen bleiben werden wir erfrieren, oder uns zumindest einen heftigen Schnupfen holen. Ach komm, wir gehen rein!“
„Na gut, aber auf deine Verantwortung!“ Silina fügte sich mit einem unguten Gefühl, und die zwei tapferen Damen traten durch die Öffnung und in den Baum herein.

Montag, 2. Juli 2007

Kapitel 9

Nach einer weiteren Stunde gemächlichen Spazierens, erreichten Leo und Silina einen kleinen Wald. Schnell waren sie sich einig, dass dies der perfekte Platz zum Übernachten sei. Fleissig sammelten sie etwas Holz für ein Feuer zusammen und bastelten mit ein paar Ästen einen kleinen Unterstand. Sichtlich stolz über ihr Werk machten sie sich daran das Feuer zu entfachen. Auch dies war nach einer knappen Stunde vollbracht, wobei es eine weitere halbe Stunde bedurfte, um es erneut zu entfachen. Völlig kaputt nahmen sie ein spärliches Abendessen, bestehend aus durchweichtem Brot, aufgequollenem Trockenfleisch und zerbröseltem Käse zu sich. Leider hatten sie vergessen ihre Proviantbeutel bei ihrem Bad im See abzulegen.
Sie redeten nicht viel, da beide mit den Nerven ziemlich am Ende waren und sie nur noch schlafen wollten. Also legten sie bald ihre Daunenmatratzen aus und hauten sich aufs Ohr. Kurz darauf waren beide fest eingeschlafen und das Feuer ein weiteres mal ausgegangen. Beide schreckten sie auf als das erste Donnergrollen zu vernehmen war.
„Ach du meine Güte, was war denn das?“ fragte Silina noch recht verschlafen.
„Hörte sich wie Donn.... .“ Die letzten Worte wurden durch ein erneutes Donnern übertönt.

Sonntag, 1. Juli 2007

Kapitel 8

„Autsch!“
„Verfluchte Mistviecher!“
„Weg da, ihr Peeeeeeeeeeeeepp!“
Leo und Silina waren nach etwa einem hundertstel ihres Weges bereits verstochen, zerkratzt, verdreckt, verbeult, kurz ziemlich am Ende mit ihren Nerven. Momentan schwirrte grad eine ziemlich lästige Ansammlung von Tsuupmücken um die zwei Gefährtinnen und malträtierten sie nach ihrer gewohnten Manier. Das heisst soviel wie, sie flogen ihnen um den Kopf und tsuupten* sie an den Haaren. Leo und Silina versuchten verzweifelt ihre Haare irgendwie an ihrem Platz zu halten und dabei die vermaledeiten Mücken zu verscheuchen. Es funktionierte nicht!„Schau Leo, dort drüben ist ein kleiner See, komm wir springen rein!“ Da die Mücken nicht schwimmen können, können sie Wasser überhaupt nicht leiden.Die zwei vom Schicksal gebeutelten sprinteten zum See und landeten mit einem gehörigen Platsch im kühlen Wasser. Die Mücken waren augenblicklich fort.Nachdem sie sich eine Weile gehörig geschrubbt hatten, kletterten sie triefend aus dem Wasser und legten sich eine Weile in die Sonne, doch erst nachdem sie sich beide ein Tuch um ihr Haupthaar gebunden hatten.„Welch ein schrecklicher Ausflug! Ich habe mir diese ganze Reise viel einfacher vorgestellt!“ Leo seufzte verächtlich. Nicht das erste mal seit sie aufgebrochen sind verwünschte sie sich ob ihrer grenzenlosen Nachlässigkeit.„Ach Leo, sieh doch nicht alles so schwarz. Ich bin sicher wir werden noch viel Spass haben...! Und sie nur wie viel Glück wir mit dem Wetter haben, es hat seit unserem Aufbruch noch kein einziges Mal geregnet!“ Das stimmte, obwohl seit ihrem Aufbruch erst grade mal vier Stunden vergangen sind und sich im Osten sie schwarzen Wolken verdächtig türmten.„Ja Silina du hast recht! Und doch wünschte ich mir, dass wir schon bald da sein würden!“ Nach vier Stunden spazieren war dies ein etwas irrationaler Wunsch!„Komm Leo, wir gehen noch ein Stück weiter und dann suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen um zu schlafen.“„Ok....“So liefen sie weiter, ohne zu bemerken, wie die Wolken in ihrem Rücken immer mächtiger und dunkler wurden...

*tsuupen = die Tsuupmücken haben ihre Bestimmung darin, Menschen und Tiere mit langem Fell die Haare zu zerzausen, indem sie sich einzelne Strähnen in den Mund stecken und damit wild um die Köpfe ihrer Opfer zu fliegen, was nach einigen Minuten ein heilloses Durcheinander auf den Häuptern dieser armen Geschöpfe ergibt. Die Haarknäuel benutzen sie nach getaner Arbeit als Nester für ihre Eier. Was auch nicht unbedingt für Erheiterung sorgt.

Kapitel 7

Nachdem sich Leo einigermassen erholt hatte, kehrte sie zu Silina in ihr Schlafzimmer zurück und gab sich der innigen Umarmung, mit der sie begrüsst wurde, hin. Lange Zeit blieben sie so stehen und sagten beide kein Wort. Nach einer Weile löste sich Silina aus Leos Armen und schaute ihr gütig in die Augen. „Ach liebe Leo, hab keine Angst, weißt du, du wirst nicht alleine auf die Wanderschaft gehen! Natürlich werde ich dich dabei begleiten. Überleg bloss, welch ein Spass wir zusammen haben werden!“ Ungläubig starrte sie Leo mit grossen Augen an. „Ach herrje, ist das dein Ernst, willst du mich wirklich begleiten? Doch du weißt doch wie gefährlich dieser Weg wird.“ „Ja genau und aus diesem Grund solltest du nicht alleine gehen. Als Fee kann ich mich vielen Gefahren erwehren, kenne mich mit der Natur aus wie kein anderer und kenne extrem viele Wanderlieder. Und weißt du, ich muss auch endlich was gegen die kleinen Pölsterchen an meinem Po und dem Bauch unternehmen, und eine lange Wanderung wird da sicher Abhilfe schaffen. Keine Widerrede, ich komme mit!“ Laut jubelnd warf sich ihr die junge Hexe an den Hals.So kam es, dass sich am nächsten Tag zwei junge Damen, bepackt mit Kochgeschirr, Kleidern, und weiteren, in der Wildnis lebenswichtigen Dingen, (ob sich Lippenstift und Wimperntusche auch als überlebenswichtig erweisen werden, kann bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesagt werden), auf den Weg Richtung Donnerberg machten.

Kapitel 6

Als Leo nach unbestimmter Zeit wieder zu sich kam, fand sie sich alleine in ihrem Bett. Irgendjemand musste sich wohl ihrer erbarmt und sie nach Hause getragen haben. Noch immer etwas wirr im Kopf versuchte sie nicht an das zu denken was heute geschehen war. Sie war gerade im Begriff die Decke über den Kopf zu ziehen und für lange, lange Zeit zu schlafen, als Silina ins Zimmer trat. Noch unsicher ob sie sich über den Besuch freuen sollte oder nicht, drehte sie sich langsam in Richtung ihrer besten Freundin um. Doch als sie ihren Gesichtsausdruck sah, ward ihr Herz leichter und sie brachte sogar ein kleines Lächeln zustande. „Hallo liebe Silina, wie lange habe ich denn geschlafen? Hast du mich nach Hause gebracht? Ist die Zusammenkunft schon...hmpf....“ Silina unterbrach Leos Fragerei, indem sie ihr eine dampfende Tasse mit Kräutertee an die Lippen hielt. „Na na, mal ganz ruhig, trink erst mal etwas Tee damit du wieder zu Kräften kommst. Du warst schliesslich eine Weile weggetreten. Aber zu deinen Fragen, ja ich habe dich hergebracht, du hast etwa drei Stunden geschlafen und die Versammlung wurde kurz nach deinem Zusammenbruch aufgelöst.“ Ein Schatten der Unruhe huschte über ihr Gesicht.„Leo, was ist denn los, du siehst etwas nachdenklich aus.“ „Nun ja, vielleicht erinnerst du dich noch was Merelin gesagt hat, was dich schliesslich ins Land der Träume geschickt hat?“ Silina machte sich schon bereit um ihre Freundin zu halten, falls sie nochmals in Ohnmacht fallen sollte. Doch nichts dergleichen passierte. Stattdessen bejahte Leo stotternd, dass sie sich noch sehr gut an die Worte des Zauberers erinnern konnte. „Gut“, sagte Leo, „doch was du nicht mehr gehört hast, der Zauberer sagte auch, dass du schon morgen früh aufbrechen musst weil es ja so ein langer und beschwerlicher Weg bis zum Donnerberg sei und dass wenn du bis zum nächsten Vollmond dort sein willst, solltest du keine Zeit mehr verlieren.“ Langsam schälte sich Leo aus den Decken, stand auf, schüttelte die Hand ihrer Freundin von ihrem Arm, torkelte ins Bad und blieb mal eine Weile dort. Die würgenden Geräusche ignorierend, blieb Silina nachdenklich im Schlafzimmer sitzen.

Kapitel 5

Am Abend wurde eine Eildorfversammlung einberufen. Weil das Dorf über keinen Raum verfügte, der gross genug war um alle Bewohner aufzunehmen, wurde das Treffen kurzerhand draussen im Dorfzentrum abgehalten. Leider waren Mikrofone zu dieser Zeit noch nicht erfunden, also mussten alle die was sagen wollten lauthals brüllen, damit alle es hörten. So bekam der Abend einen ziemlich aggressiven Touch. Das Wort eröffnete der Bürgermeister Alois Bohnenklee: „LIEBE BÜRGERINNNEN UND BÜRGER VON BLUMENHAIN. WIE IHR ALLE BEREITS WISST, ERSCHIEN LEONORA NICHT ZUR DIESJÄHRIGEN WALPURGISNACHT.“ Alle Blicke wanderten zu der bleichen Leo. „IHR VERSÄUMNISS HAT BEREITS DAZU GEFÜHRT, DASS UNSER GETREIDE, GEMÜSE, DIE BLUMEN UND ALLE ANDEREN PFLANZEN NACH UND NACH EINGEHEN. DANK LEONORA STEHT UNS NUN LEIDER EINE HUNGERSNOT BEVOR.“ Die Blicke der anwesenden liessen Leo die Haare zu Berge stehen. Es sah zum Glück niemand, da sie ihren Hut aufgesetzt hatte. Nur sass er jetzt etwas höher als normal und neigte sich leicht zur Seite. „ALSO LIEBE BÜRGERINNEN UND BÜRGER. ICH HABE DIESEN RAT ZUSAMMENGERUFEN, UM NACH EINER LÖSUNG ZU SUCHEN. ICH BITTE NUN ALLE, DIE EINE IDEE HÄTTEN UM AUS DIESER MIESERE DAS BESTE ZU MACHEN, UNS DIES MITZUTEILEN.“ Ein kollektives Gemurmel begann, wobei Worte wie „verstossen“, „anprangern“ oder „verbrennen“ deutlich in der Mehrheit waren. Leo versuchte Rückwärts den Heimweg anzutreten, doch nach wenigen Schritten stiess sie an eine Mauer, die sich nach einem kurzen Blick als Hector Heubühl herausstellte. Er knurrte Leo böse an und sie stellte sich wieder an ihren alten Platz und versuchte sich so klein wie möglich zu machen. Dann trat Merelin der Dorfzauberer in die Mitte und bat um Ruhe, indem er es kurz Donnern liess. Als alle still waren, fing er an zu sprechen. „ UNSERE LAGE IST SICHERLICH SEHR SEHR ÄRGERLICH, DOCH ES GIBT EINEN WEG UM UNSERE ERNTE NOCH ZU RETTEN.“ Leo war nun wieder ganz Ohr. „ ES WIRD BESTIMMT NICHT EINFACH UND LEIDER KANN NICHT MIT SICHERHEIT GESAGT WERDEN, OB ES GELINGT, DOCH EIN VERSUCH IST ES WERT.“ Nun machte Merelin eine lange Pause. Er fand es immer sehr witzig wenn er seine Zuhörer durch Spannung fast zur Weissglut treiben konnte. Doch endlich nahm er das Wort wieder auf. “ ALSO, DERJENIGE DER ES VERPASST HAT DEN REGENTANZ IN DER WALPURGISNACHT AUFZUFÜHREN, KANN IHN BEIM NÄCHSTEN VOLLMOND AUF DER SPITZE DES DONNERBERGES WIEDERHOLEN.“ Das letzte was Leo noch mitkriegte war ein riesen Jubelgeschrei, dann legte sie sich hin und war mal für ne Weile Bewusstlos.

Kapitel 4

Als nun Leo mit noch immer etwas wackligen Beinen auf dem Weg zu Silina war, freute sie sich darauf sich bei ihr etwas ausheulen zu können. Und sie brauchte jemanden, der ihr half die Miesere die sie angerichtet hatte, wieder irgendwie ins Lot zu bringen. Sie fand Silina lesend im Garten ihres kleinen Häuschen. (In Blumenhain war keine Familie bereit sie in ihrem Haus wohnen zu lassen, da sie zu grosse Angst vor einem Brand, ausgelöst von ihrer Untermieterin, hatten. Also bauten sie ihr kurzerhand ein kleines Steinhäuschen etwas abseits der anderen Häuser.)„Hallo Silina, na was machst du denn?“ Leo fand, dass Silina nicht wirklich glücklich aussah. Ob sie selber wohl auch Probleme hatte? „Hallo Leo, gut das du kommst. Du, ich habe von letzter Nacht gehört, tja und wie’s aussieht hast du ziemlich was angerichtet.“ Sie deutete auf die Blumen in ihrem Garten die eigentlich sonst immer in hellsten Glanz erstrahlten, doch nun liessen sie alle die Köpfe hängen und dörrten langsam vor sich hin. Das Gemüse sah genau so schlecht aus. „Ach herrje, was ist denn mit deinen Pflanzen los. Hast du sie etwa überdüngt oder gar vergessen zu giessen.“ Leo wollte noch nicht wahrhaben, dass sie an der schlechten Verfassung von Silinas Pflanzen irgendwelche Schuld traf. Doch der Blick mit dem sie von der Ex-Fee taxiert wurde, liess sie erkennen, dass der Fluch wohl schon Wirkung zeigte. „Oh, das ging aber schnell,“ entfuhr es ihr. „Ja, das kannst du laut sagen. Als ich heute morgen in den Garten kam, fing schon alles an zu welken. Ich sprach lange mit den Pflanzen um rauszukriegen was ihnen den fehle, doch sie sagten mir nur, dass sie sich einfach ganz plötzlich so schlecht fühlten. Dann kam plötzlich die Alte Lammerbock vorüber, völlig aufgewühlt. Als ich sie fragte, was denn los sei, hat sie mir alles erzählt. Tja da war mir klar, dass ich nichts mehr für meine Pflanzen tun kann.“ Betrübt betrachtete Silina eine Sonnenblume deren Blüte gerade zu Boden fiel.Leo hielt zwar nicht viel vom Tod, doch nun sehnte sie ihn gerade zu herbei. Was hatte sie nur angerichtet! Und, wie kam sie aus dieser Sache wieder raus?

Kapitel 3

Silina war eigentlich eine Fee vom nahen Feenwald. Sie war mit solch einer Schönheit gesegnet, dass alle jungen Burschen des Waldes über beide Ohren in sie verliebt waren. Jeden Tag wurde sie von mehreren Jünglingen umworben und mit Geschenken überhäuft. Nach Jahren der Flucht vor ihren Verehrern war sie es leid und wünschte sich nichts mehr als fortzugehen. Doch als Fee kann man nicht so mir nichts dir nichts die Familie verlassen. Sie wurde immer wie trauriger und wie wütender auf die Männer. Eines schönen Nachmittags wollte sie sich bei einem Spaziergang etwas entspannen als schon wieder einer dieser Schwerenöter auftauchte und sie begleiten wollte. Da platzte ihr der Kragen, sagte ein paar Gemeinheiten und rannte davon. Als sie sich nach einigen Minuten umsah um nach ihrem Verfolger Ausschau zu halten, lief sie plötzlich mit voller Wucht in einen Baum. Benommen fiel sie zu Boden, der Jüngling holte auf und schrie was von gebrochener Nase und verschwand auf nimmer wieder sehen. Nachdem sie sich etwas erholt hatte und sie sich an den Schmerz gewöhnt hatte, fiel ihr auf, dass an dieser Stelle eigentlich gar kein Baum hätte stehen dürfen. Sie schaute hoch und da war auch kein Baum mehr...Der Baum, der sich Silina in den Weg gestellt hatte, war Fridolin. Auch er war hoffnungslos in sie verliebt. Doch leider liess sich die schöne Fee vor einigen Monaten auf eine Affäre mit einem schönen Feenmann ein. Sie trafen sich immer heimlich bei eben jenem Baum um rumzuknutschen. Es brach Fridolin schier das Harz (kein Schreibfehler). Nach einigen Wochen des Geturtels zückte der Knabe ein Messer und ritzte die Initialen der Beiden in den Stamm und ein Herz ringsum. Das war für Silina zuviel und sie beendete die Beziehung. Auf für Fridolin war es zuviel und er sehnte nach Rache.Von diesem Augenblick an hatte der Junge unglaubliches Pech auf der Jagd. Jedes Mal wenn er ein Tier erlegen wollte, schreckte es auf und lief davon. Auch wenn es nicht die geringste Chance gehabt hätte, etwas von seiner Anwesenheit zu erahnen.Die Rache von Fridolin an Silina war zwar schmerzhaft doch für sie das beste was ihr je hätte geschehen können. Denn als ihre Eltern ihre verletzte Tochter sahen, schickten sie sie ins nahe gelegene Dorf Blumenhain um sich die Nase bei den dort ansässigen Hexen richten zu lassen. Silina gefiel es so sehr in diesem kleinen Dorf, dass sie entschied, dort zu bleiben. Sie kleidete sich in Lumpen, verstecke ihre güldenen Haare unter einem Tuch und arbeitete als Magd bei einigen Familien. Doch da sie bis anhin nie irgendetwas in einem Haushalt gearbeitet hatte, stellte sich bald heraus, dass sie dazu absolut kein Talent hatte. Nach etlichen kaputten Tellern, halb entzündeten Küchen und Kleidern deren nützliche Öffnungen plötzlich (schlecht) zugenäht waren, wurde es schwierig für sie noch Arbeit zu finden. Sie fürchtete schon eine Heimkehr in Betracht zu ziehen, als einem Bauern auffiel, wie gut das Getreide, die Blumen und Pflanzen seit ihrer Ankunft wuchsen. Von diesem Augenblick an war Silina die Dorfgärtnerin von Blumenhain und verschaffte dem Namen so alle Ehre.Irgendwann lernte sie auch Leo kennen und sie freundeten sich schnell an. Sie sprachen über Jungs, Kleider, Make-Up, einfach all die Dinge, über die Mädchen in ihrem Alter so redeten. Silina liess sich von der Hexe ihre goldenen Haare mit Zwiebelschalen rot färben und brauchte so nicht immer mit dem Tuch rumzulaufen. Die Männer liefen ihr nun nicht mehr nach, denn mit dem knallroten Schopf und der etwas krummen Nase galt sie nicht mehr als Schönheit im eigentlichen Sinne. Sie genoss diesen Zustand mehr als alles andere auf der Welt.

Kapitel 2

Ein lautes Pochen an der Tür liess sie aufschrecken. Stöhnend stieg sie die Treppe herunter. Noch bevor sie die Türe geöffnet hatte, wusste sie schon dass es kein angenehmer Besuch werden würde. Draussen stand eine Traube rotköpfiger Hexen die sich verkrampft an ihren Besenstielen festhielten. Als sie die kränklich aussehende Leo sahen nahm die Wut bei einigen etwas ab. Mit erbärmlicher Miene liess Leo die Frauen eintreten. Ihre Mutter meldete sich als erste zu Wort. „Leonora mein Herz, ich wusste ja nicht das du krank bist. Warum hast du denn nichts gesagt, wir hätten dir doch ein Mittelchen geben, damit du trotzdem hättest kommen können. Weißt du denn wie wir jetzt dastehen?“ „Es tut mir sehr sehr leid, aber ich fühlte mich gestern plötzlich so komisch und wollte mich bloss eine Weile hinlegen. Dabei bin ich wohl so tief eingeschlafen, dass ich erst heute morgen erwacht bin.“ Leo hielt es für besser, nichts von ihrem komischen Holundersirup zu erzählen.Sie wurde noch etwa weitere dreissig Minuten teils getadelt, teils bemitleidet, bis sich die Damen wieder in ihre Häuser verzogen. Leo fühlte sich Hundselend, sie brauchte dringend was zu trinken. Also ging sie in die Küche um ein Glas Wasser zu holen. Als sie die Tür öffnete traf sie beinahe der Schlag. Die Küche war in einem üblen durcheinander. Anscheinend hatte sie in ihrem Rausch versucht einen Kuchen zu backen. Das Ergebnis war ein schwarzer, übelriechender Haufen Etwas. Töpfe, Löffel und etliche andere Küchenutensilien lagen schmutzig wild verstreut in der ganzen Küche rum. Die Übelkeit, die die Hexe schon seit dem Erwachen verspürte, verschlimmerte sich umgehend. Schnell holte sie sich ein Glas Wasser und setzte sich auf den einzigen sauberen Stuhl. Mit einiger Befriedigung erkannte sie, dass kein Stück des „Kuchens“ fehlte. Nachdem sie ein zweites Glas Wasser getrunken hatte machte sie sich ziemlich missmutig daran die Unordnung zu beseitigen. Nach zwei Stunden war sie fertig, und zwar vollkommen. Und sie brauchte dringend etwas frische Luft. Deshalb beschloss sie, ihre beste Freundin Silina zu besuchen.Fortsetzung folgt...

Die Hexe Leo - Kapitel1

Vorwort Ich finde schreiben schön. Habs immer gern getan, doch seit ich nicht mehr die Schulbank drücke, hab ich keine Geschichten mehr geschrieben weil ich halt nicht mehr musste. Doch das will ich jetzt ändern! Ich nutze meinen Blog für meine Geschichte über die Hexe Leo. Mal schauen ob sich was gutes daraus ergibt. Bitte orthographische und grammatische Fehlschläge ignorieren. Hier ist nun mal das erste Kapitel. Langsam öffnete die junge Hexe Leo ein Auge um es gleich darauf wieder zu schliessen. Ihre Augäpfel brannten, in ihrem Kopf wurde ein Amboss mit mindestens drei Hämmern bearbeitet und ein Haufen Spechte schien um die Wette Würmer aus einem Baumstamm zu sammeln. ‚Gahh, was um Himmelswillen ist den mit mir los’, fragte sich die geplagte Hexe. Sie versuchte nochmals die Augen zu öffnen. Das Licht gleisste hell zum Fenster rein, es musste so um die Mittagszeit sein. Sie wollte gleich wieder die Decke über den Kopf ziehen und weiter schlafen als es sie wie ein Blitz traf: sie hatte die Walpurgisnacht verpennt! Plötzlich war sie hellwach, der Kopf schmerzte noch immer wie verrückt und die Hämmer arbeiteten auf Hochtouren. Und als sie aus dem Fenster schaute wusste sie auch woher die Spechtgeräusche kamen. Draussen auf dem Fensterbrett sassen mindestens zehn Brieftauben und hämmerten mit ihren Schnäbeln erbarmungslos an ihr Fenster. Mit etlicher Mühe schaffte sie es aus dem Bett und zum Fenster und liess die armen Vögel rein und las die überbrachten Nachrichten durch. Die netteste von allen war wohl jene: Leonora Gerlinde Samura Philomena Andalia Brunnenschmied, was um alles in der Welt hat dich geritten der Walpurgisnacht fern zu bleiben. Alle haben auf dich gewartet. Schau bloss, dass du eine gute Erklärung für diese Unverschämtheit hat. Dir ist hoffentlich klar was du angerichtet hast mit deiner ewigen Unzuverlässigkeit... deine Mutter.Leo taumelte wieder ins Bett. Was hatte sie bloss getan. Diese Walpurgisnacht war die wichtigste in ihrem ganzen Leben. Sie hatte in diesem Jahr das zwanzigste Lebensjahr erreicht und war mit der seltenen Gabe der Regenbeschwörung gesegnet worden. Alle fünf Jahre wurde ein Mädchen geboren das diese Fähigkeit hat. Vor zwanzig Jahren war sie die Glückliche und da sie nun volljährig war, hätte sie eigentlich letzte Nacht einen Regentanz aufführen sollen um es regnen zulassen. Denn, wenn es in der Walpurgisnacht regnet, ist ein Jahr voller Segen gewiss. In diesem Jahr wurden dann jeweils so viele Vorräte angesammelt, die die nächsten fünf Jahre überdauerten. Es fehlte den Bewohnern vom Blumenhain bis jetzt nie an was. Bis jetzt. Je länger sich Leo die Auswirkungen ihres Versagens vor Augen führte, desto schlechter fühlte sie sich. Was hatte sie bloss gestern getan? Sie erinnerte sich nur noch daran, dass sie ihren Holunderblütensirup gekostet hat, den sie am Tag zuvor gekocht hatte. Da sie ihn leider etwas zu lange auf dem Herd stehen gelassen hatte, weil sie draussen so sehr in die Gartenarbeit vertieft war, wollte sie testen ob er trotzdem geniessbar war. Nach dem ersten Schluck war sie hoch erfreut, denn es war der beste Holunderblütensirup den sie je hingekriegt hatte. Er war vielleicht ein bisschen stark und brannte leicht beim trinken doch der Geschmack war super. Nach dem ersten Glas nahm sie noch eines weil es ihr so schmeckte. Sie fand es schon ein wenig eigenartig, dass je mehr sie trank, sich das Zimmer immer wie schneller im Kreis drehte und sie bloss noch kichern konnte. Doch sie schob das auf ihre Vorfreude auf das Fest das am Abend vonstatten gehen würde und die belebende Wirkung von Holunder. Irgendwann legte sie sich aufs Bett weil ihr immer wie schwindliger wurde und wollte bloss ein kurzes Nickerchen machen. Fortsetzung folgt...